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Kindertagesstätte
"Sieben Raben"

Unser Spielzeug macht Ferien - was bedeutet das?

  • Sämtliches Spielzeug wird für mehrere Wochen aus der Kita entfernt
  • In der ersten Projektwoche geben die Erzieher Anregungen und führen noch einige Angebote durch; in den übrigen Wochen nicht
  • In den Räumen bleiben das Mobiliar, evtl. Decken, Tücher o.ä.
  • Kinder können Materialien / Werkzeuge zur Umsetzung ihrer Ideen organisieren
  • Alle Aktivitäten gehen vom Kind aus
  • Es gibt weiterhin Regeln in der Kita
  • Kinder können viel entscheiden, aber nicht alles
  • Erzieher geben (nach der Anlaufwoche) keine Anregungen zu Spielen oder Themen und machen keine Angebote / Kurse; sie sind anteilnehmende Beobachter
  • Die Tagesstruktur wird vereinfacht, aber nicht aufgehoben (Essenszeiten / Gesprächskreise / Mittagsruhe)
  • Es ist kein Projekt gegen Spielzeug
  • Der lange Zeitraum ist wichtig, damit sich Kinder umstellen und an die neue Situation gewöhnen können


Besonderheiten in der Krippe

Die Krippenkinder beteiligen sich mit Einschränkungen:

  • Spielzeug wird reduziert und mit Naturmaterial ergänzt
  • Angebote (Lieder, Fingerspiele…) finden weiterhin statt
  • Auf dem Hof darf Sandspielzeug genutzt werden
Strenge Regeln gelten, wenn Tiere ins Spiel einbezogen werden.

Und zuhause?

Zuhause darf alles unverändert bleiben. Es ist nicht nötig, aber möglich, das Spielzeug auch daheim zu reduzieren. Kinder können sehr gut zwischen zwei verschiedenen Systemen (Kindergarten - Zuhause) unterscheiden.

Was versprechen wir uns von diesem Projekt?

Die Ressourcen sind begrenzt. Die künstlich geschaffene Lücke zwingt die Kinder, sie selbst auszufüllen oder die Leere zu ertragen. Das fördert die Kreativität, Kinder müssen Lange Weile aushalten und eigene Bedürfnisse erspüren.

Wenn Spielmaterial fehlt, spielen Kinder miteinander. Das Rollenspiel gewinnt an Interesse. Es ist vor allem für die emotionale Entwicklung wichtig.

Das Projekt schafft eine gleiche Ausgangslage für alle („Die Karten sind neu gemischt.“). 

Das wird zu Änderungen der Gruppenstrukturen führen, die für die soziale Entwicklung bedeutsam sind.

Große Freiräume, weniger Struktur führt zu mehr Kommunikation (weil viel ausgehandelt wird), Kinder übernehmen Verantwortung (Demokratie)

Wenig Ablenkung, viel Zeit am Stück, kein „voller Terminkalender“ - das ist eine gute Voraussetzung für selbstbestimmtes, intensives, langes und konzentriertes Spiel.

Pädagogische Ziele

Die Kinder

  • nehmen ihre Gefühle und Bedürfnisse wahr und drücken diese verbal und mit Körpersprache aus
  • haben Einfühlungsvermögen (fangen an, sich in andere Kinder hineinzuversetzen)
  • entwickeln erste Strategien zur selbständigen Konfliktlösung und versuchen, Konflikte mit Worten zu lösen
  • sind schöpferisch tätig, haben Ideen, entwickeln Phantasie und Vorstellungskraft und haben Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und in die von ihnen gefundenen Lösungen
  • treffen selbständige Entscheidungen und übernehmen Verantwortung
  • erweitern ihr Sachwissen und ihren Wortschatzund entwickeln praktische Fertigkeiten für Tätigkeiten des Alltags
  • nehmen wahr, dass sie Teil einer Gruppe sind und entwickeln ein Gefühl für Fairness und Rücksichtnahme, können zuhören und sich einordnen
  • vereinbaren Regeln mit Erziehern und untereinander und achten auf deren Einhaltung

Die Kinder sind beteiligt

Am gesamten Prozess der spielzeugfreien Zeit machen die Kinder mit: Das Projekt wird mit ihnen besprochen. Die Mädchen und Jungen sind am Wegräumen des Spielzeugs beteiligt und entscheiden, was zuerst in die Kisten gepackt wird und was als letztes. In Gesprächsrunden wird immer wieder mit den Kindern über die Situation und wie es ihnen damit geht, geredet. Sie handeln Regeln aus und sind an der Strukturierung des Tagesablaufs beteiligt. Ihre Probleme werden von den Erziehern sehr ernst genommen. Die Kinder werden auch nach Beendigung der spielzeugfreien Zeit nach ihrer Meinung gefragt. Und schließlich sind es die Kinder, die während der Laufzeit das allermeiste entscheiden: Brauche ich Werkzeug oder Kartons? Woher bekomme ich das? Welche Erzieherin frage ich, ob sie gemeinsam mit mir spielt / singt / bastelt / baut? Mit welchem Erzieher rede ich über meine Gefühle? Möchte ich einen Ausflug machen? Und so weiter.